Damals, als die erste Ape ihren Motor anwarf, sah sie fast hässlich aus. Sie war nichts anderes als ein abenteuerlicher Vespa-Roller, der mit reichlich Blech umbaut war. Das viele Blechmaterial sollte den Fahrer vor Witterungseinflüssen und möglichen Unfallschäden schützen. Da die Ape wesentlich an die Vespa angelehnt war, hatte sie auch kein Lenkrad, sondern einen herkömmlichen Rollerlenker. Niemand konnte ahnen, dass dieses Gefährt einmal Kultstatus erlangen würde.
Vom Roller zum Dreirad-Transporter
1948 – die allererste Ape war die Ape A
Die Ape war ein Vespa-Roller, der später zum Vespa-Car umgebaut wurde. Damit erfüllte das Gefährt zunächst den Zweck, für den es produziert worden war: Ein einfaches, billiges, leichtes und vor allen Dingen kostengünstiges Fahrzeug für den Transport für Lasten von A nach B. Die Bezeichnung Vespa-Car wurde erst Jahre später (1971) von Piaggio in deren Vokabular übernommen. Da der Straßenzustand der Nachkriegszeit entsprechend miserabel war, musste der Besitzer einer Ape mit häufigen Pannen und Reparaturen rechnen. Deshalb sollte die Ape so einfach und preiswert wie möglich zu reparieren sein.
Dieser Tatsache geschuldet, war der erste Motor ein einfacher und robuster 50 cm³ Zweitaktmotor, der notfalls auch einmal vom Fahrzeughalter in Eigenarbeit repariert werden konnte, technisches Talent vorausgesetzt. Wer heute das technische Know-how sowie eine Ape besitzt, findet im SIP Scootershop entsprechende Ersatz- und Tuningteile.

1950 – die erste Ape 50 lief vom Band
Mit der Ape 50 war ein Transportmittel gelungen, das noch in die Kategorie Kleinkrafträder fällt. Sie war allerdings nur für leichte Frachten vorgesehen und konnte nur 200 kg transportieren. Dieses Modell war klein und wendig. Enge Gässchen in verwinkelten Stadtgebieten konnten jetzt damit befahren werden.
Das Fahrerhaus ist ebenfalls geblieben.
1952- die Ape B wurde ins Leben gerufen
Sie zeichnete sich durch einen verbesserten Motor aus. Auch eine korrigierte Struktur muss erwähnt werden. Die Produktion dieses Modells wurde bis 1956 durchgeführt.
1956 – die Ape C brachte erstmals eine für damalige Verhältnisse revolutionäre Neuerung
Sie erhielt eine Fahrerkabine als zuverlässigen Schutz gegen die Witterung. Welch ein Fortschritt, der uns in heutiger Zeit lediglich ein Schmunzeln in die Gesichtszüge zaubert.
1960 – neues Modell Pentaro
Es erschien als Modifikation der Ape C ein neues Modell, das als einzigen Unterschied eine höhere Tragkraft hatte.
1971 – jetzt wurde die Ape Car vorgestellt
Neben einer höheren Nutzlast von immerhin 550 kg, zeichnete sich die Fahrerkabine durch etwas mehr Komfort aus. Der Hubraum betrug jetzt stolze 216 cm³.

In den Jahren von 1970 bis 1990 wurde die Entwicklung der Ape vorangetrieben
1980 – größeres Auge auf höhere Nutzlasten
Die Motorleistung, das Fahrwerk sowie die Bremsen erhielten kontinuierliche Verbesserungen. Das ächzende, knatternde und lärmende Gefährt, das im Prinzip recht unansehnlich war, erfuhr allmählich sehenswerte Innovationen und so etwas wie Design.
1982 – in diesem Jahr war wieder eine kleine Sensation angesagt
Die Ape TM erfuhr ihre Entstehung. Zunächst fiel dem aufmerksamen Betrachter auf, dass die TM mit einem Lenkrad ausgestattet war. TM heißt Trade Mark und bedeutet, dass Schutzrechte vorhanden sind.
Der Motor etablierte sich mit einem Hubraum von 220 cm³. Der Laderaum konnte nunmehr 700 kg tragen.
1990 – mehr Sicherheit
Das Jahr 1990 stand ganz im Zeichen von Anpassungen an strengere Abgasnormen. Auch die Sicherheit wurde sorgfältigst berücksichtigt. Nicht zuletzt verbesserten die Ingenieure aus Pontedera den Fahrkomfort.
2000 – Strengere Umweltauflagen und weniger Emissionen
Erneut stand die Reduzierung der Emissionen im Fokus. Das zu erreichen versuchten die Entwickler mit effizienteren Viertaktmotoren. Ganz nebenbei wurde der Innenraum der Blechbüchse modernisiert. Ebenso wurde an Verschönerungen des Designs gedacht und umgesetzt.
Ab 2010 – Weiterentwicklung der Viertaktmotoren
Erste Versuche hinsichtlich der Entwicklung elektrischer Varianten wurden gestartet.
2014 – die Ape Classic 400 entstand
Diese Version war eine modernisierte Ape 400 Classic, die jetzt in Serie produziert wurde.
2024 – das Ende der Ape-Produktion in Europa
Die Ape kann mit den verschärften EU-Abgas- und Sicherheitsvorschriften nicht mehr mithalten und ihre Herstellung in der EU wird eingestellt. Allerdings hatte die Ape nichts von ihrer Beliebtheit eingebüßt. In Indien wird das kultige Dreiradfahrzeug weiterhin produziert. Auch in der Herstellung von elektrischen Modellen waren uns asiatische Länder eine Nasenlänge voraus. Aus diesem Grund konzentriert sich der Piaggio-Konzern fortan verstärkt um die Entwicklung von elektrischen Ape Nachfolgemodellen.
Fazit
Abschließend lassen sich folgende technischen Entwicklungen im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte zusammenfassen:
- Übergang von Zweitakt- hin zu Viertaktmotoren
- auch die ersten Dieselmotoren kamen hinzu
- Einführung von Elektromotoren
- stetige Verfeinerungen für mehr Sicherheit und Stabilität
- das Design wurde nach und nach an moderne Standards angepasst
- nicht zuletzt berücksichtigten die Entwickler bei Piaggio die Verbesserungen von Funktionalität und Komfort
- trotz angestrengter Bemühung gelang es nicht, über die Norm 4 hinaus anzupassen, ohne die Kosten explodieren zu lassen
- als logische Konsequenz musste die Produktion in Europa eingestellt werden
Auch wenn die ulkige Ikone nach und nach von den Straßen Europas verschwinden wird, hoffen wir, dass viele der Kultfahrzeuge uns noch lange erhalten bleiben.